Foodtruck-Franchise: was Sie vor der Unterschrift prüfen

Eintrittsgebühr, laufende Gebühren, vorvertragliche Aufklärung, Widerruf, Klauseln: wie ein Foodtruck-Franchise in Deutschland funktioniert und wie Sie unabhängig starten.

Romain, Gründer von Food Truck StoreRomain BarreauGründer von Food Truck Store · 5 Min. Lesezeit

Mit einem Foodtruck-Franchise übernehmen Sie ein Konzept, das bereits funktioniert: Marke, Speisekarte, Lieferanten, Abläufe. Dafür zahlen Sie in der Regel eine Eintrittsgebühr und laufende Gebühren und binden sich über Jahre. Ein eigenes Franchisegesetz gibt es in Deutschland nicht; dieser Ratgeber zeigt, welche Rechte Ihnen das allgemeine Recht vor der Unterschrift trotzdem gibt, was Sie prüfen sollten und wie Sie unabhängig starten.

Hausgemachter Burger, serviert vom Food Truck Accro

Was Sie mit dem Franchise erwerben.

Der Franchisegeber stellt Namen, Erscheinungsbild und ein erprobtes Konzept zur Verfügung; Sie nutzen es gegen Gebühr und bleiben rechtlich wie wirtschaftlich selbstständiger Unternehmer (DFV: Franchising). Auch als Franchisenehmer gründen Sie ein eigenes Unternehmen: Sie schreiben Ihren Businessplan, beschaffen das Startkapital und melden Ihr Gewerbe an (Existenzgründungsportal). Bekannte Beispiele stammen vor allem aus der Gastronomie.

  • Marke
    Name und Erscheinungsbild des Systems, für die Dauer des Vertrags.
  • Know-how
    Rezepte, Abläufe und Handbuch, vermittelt in Schulungen.
  • Unterstützung
    Bei Planung und Start, danach laufend: Beratung, Marketing, Weiterentwicklung des Konzepts.
  • Einkaufsvorteile
    Konditionen, die das System für alle Partner aushandelt.
Romain, Gründer von Food Truck Store, zeigt mit dem Finger nach unten
Romain, Gründer von Food Truck Store, hält die FTS-Fahne

Eintrittsgebühr und laufende Gebühren.

Die einmalige Eintrittsgebühr gibt Ihnen das Recht, mit dem Konzept zu starten; die laufenden Gebühren werden meist als Prozentsatz vom Nettoumsatz berechnet, laut Deutschem Franchiseverband üblicherweise 1 bis 15 % (DFV: Franchisegebühren). Manche Systeme verzichten auf die Eintrittsgebühr und verlangen dafür höhere laufende Gebühren, andere erheben zusätzlich eine Werbeumlage, über deren Verwendung Sie Auskunft verlangen können. Hinzu kommen Fahrzeug, Ausstattung und Ware; die Kennzahlen der Branche veröffentlicht der Verband jedes Jahr (DFV: Zahlen 2024).

  • 1 bis 15 %vom Nettoumsatz: übliche laufende Gebühr laut DFV
  • rund 900aktive Franchisesysteme in Deutschland
  • 148.577Franchisepartner in Deutschland (2024)
  • 149,2 Mrd. €Umsatz der Franchisewirtschaft (2024)

Ihr Recht auf vorvertragliche Aufklärung.

Schon mit der Aufnahme von Vertragsverhandlungen muss der Franchisegeber auf Ihre Interessen Rücksicht nehmen (§ 311 Abs. 2 BGB, § 241 Abs. 2 BGB); verletzt er diese Pflicht, kann er Ihnen Schadensersatz schulden (§ 280 BGB). Laut Deutschem Franchiseverband darf er bei der Aufklärung nicht lügen, muss Sie über Umstände informieren, die nur er kennt und die für Ihre Entscheidung wichtig sind, und Ihre konkreten Fragen beantworten (DFV: Franchisevertrag). Eine vollständige Rentabilitätsrechnung schuldet er Ihnen nicht: Ihre Planung machen Sie selbst.

  1. Unterlagen anfordern

    Vertragsentwurf, Gebühren, geforderte Investitionen und Auszüge aus dem Handbuch, schriftlich und vor jeder Zahlung.

  2. Schriftlich fragen

    Auf konkrete Fragen muss der Franchisegeber antworten.

  3. Selbst rechnen

    Mit Ihren Standplätzen, Ihren Preisen und allen Gebühren, bevor Sie sich die Zahlen der Zentrale ansehen.

  4. Prüfen lassen

    Den Vertrag von einem im Franchising erfahrenen Rechtsanwalt, wie es der Deutsche Franchiseverband empfiehlt.

Widerrufsrecht für Existenzgründer.

Verpflichtet Sie ein Vertrag, regelmäßig Waren zu beziehen, gelten für Existenzgründer die Regeln über Ratenlieferungsverträge, solange der Betrag 75.000 € nicht übersteigt (§ 510 BGB, § 513 BGB). Der Deutsche Franchiseverband überträgt das auf Franchiseverträge mit Bezugsbindung: Sie können dann binnen 14 Tagen nach Vertragsschluss widerrufen, und der Franchisegeber muss Sie über dieses Recht belehren (DFV, § 355 BGB). Fehlt die Belehrung, lassen Sie prüfen, was das für Ihre Frist bedeutet.

Hinter jedem Burger stecken Abläufe, die das System vorgibt.

Sauce kommt auf einen Burger, auf der Edelstahl-Arbeitsfläche eines Food Trucks
Paul von Food Truck Store, Daumen hoch

Diese Klauseln sollten Sie zweimal lesen.

Vier Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit: Gebiet, Bezugspflicht, Wettbewerbsverbot und Ausstieg. Nach EU-Kartellrecht ist ein Wettbewerbsverbot während der Vertragslaufzeit nur bis zu fünf Jahre von der Gruppenfreistellung gedeckt, eines nach Vertragsende nur unter engen Voraussetzungen, unter anderem für höchstens ein Jahr und nur für die Räumlichkeiten, von denen aus Sie verkauft haben (Art. 5 VO (EU) 2022/720). Was das für einen Anhänger bedeutet, der an wechselnden Orten verkauft, klären Sie mit Ihrem Anwalt.

  • Gebiet
    Schwarz auf weiß, was Ihnen vorbehalten ist: Stadt, Zone, Standplätze, Veranstaltungen.
  • Bezugspflicht
    Welche Waren Sie über das System beziehen müssen und was sie im Vergleich zum Markt kosten.
  • Wettbewerbsverbot
    Während und nach dem Vertrag: für welches Gebiet und wie lange.
  • Ausstieg
    Laufzeit, Verlängerung, Kündigung, Verkauf: wie Sie aus dem System aussteigen und was das kostet.

Vorteile und Grenzen für Foodtrucker.

Ein Franchise bringt eine bekannte Marke, gemeinsames Marketing und Einkaufsvorteile; im Gegenzug halten Sie sich an die Spielregeln aus Vertrag und Handbuch, und ein Imageschaden der Marke trifft alle Partner (DFV). Eine vom Verband veröffentlichte Studie der Universität Münster bezeichnet Franchising als Selbstständigkeit mit hohem Erfolgspotenzial, sofern das System professionell geführt wird, aber nicht als Erfolgsgaranten (DFV: Studien). Speziell beim Foodtruck fragen Sie außerdem, wer das Fahrzeug auswählt, was Ihr Gebiet bedeutet, wenn Sie unterwegs verkaufen, und ob sich der Anhänger mit oder ohne Markenauftritt weiterverkaufen lässt.

Die Alternative: unabhängig starten.

Starten Sie unabhängig, bestimmen Sie Karte, Lieferanten und Preise selbst, ohne Eintrittsgebühr und ohne laufende Gebühren; das Know-how bauen Sie selbst auf. Unsere Verkaufsanhänger gibt es ab 13.685 € inkl. 19 % MwSt. (11.500 € netto), den Chef+ für die warme Küche ab 16.059 €, und die FTS Academy unterstützt Sie kostenlos mit den Foodtruck-Ideen, dem Ratgeber Foodtruck eröffnen und dem Businessplan-Rechner.

Ob ein Konzept trägt, zeigt sich am Verkaufsfenster, nicht auf dem Papier.

Beiger Verkaufsanhänger im vollen Betrieb, Kunden am Tresen

Häufige Fragen.

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